Nachdem uns Petra und Werner verlassen hatten, waren Nici und ich ein paar Tage zu zweit unterwegs, bevor wir Sigrid und Wolfgang in Kos bei uns an Bord begrüßen durften. Da uns Kalymnos sehr gut gefallen hat, entschieden wir uns, bis zu deren Ankuft noch ein paar Tage auf dieser Insel zu verbringen. Wir mieteten uns einen Roller und erkundeten Kalymnos gegen den Uhrzeigersinn. 🛵
Rechtzeitig zurück in der Kos-Marina, hießen wir Sigrid und Wolfgang herzlich Willkommen an Bord unserer „el Rubio“. Für Beide war es das erste Mal auf einer Segelyacht, insbesondere auch darauf zu nächtigen. Nach einem schönen ersten Abend in Kos Stadt, legten wir am nächsten Morgen ab und segelten entspannt auf die kleine, nördlich von Kos gelegene Insel Pserimos. Hier ließen wir unseren Anker in herrlich türkisfarbenem Wasser über dem Sandgrund fallen und genossen ein erfrischendes Bad. 👙🩱🩳🩲
Am Nachmittag versuchten wir erneut unser Angelglück. Nach zwei kleineren Gelbriemen-Brassen, die wir aufgrund der Größe wieder ins Meer entließen, zupfte dann doch noch ein etwas größerer Fisch am Haken. Mit einem entschiedenen Riss an der Rute, hatte ich den vermeintlich riesigen Fisch an der Angel. Als ich die Angelschnur einrollte und das „Monster“ langsam zu sehen war, kam mir der Fisch am Haken verdächtig vor. Irgendwo hatte ich in der Vergangenheit einen Artikel gelesen, bei dem der abgebildete Fisch meinem Fang sehr ähnelte. So kam erneut die Google-Fotosuche zum Einsatz und siehe da, der Fisch am Haken war ein Hasenkopf-Kugelfisch, einer der giftigsten Fische der Welt! 😲
Der Hasenkopf-Kugelfisch (lat. Lagocephalus sceleratus) ist ein tropischer Kugelfisch, der ursprünglich im Indopazifik beheimatet ist. In den letzten Jahren hat er sich im Mittelmeerraum ausgebreitet, insbesondere über den Suezkanal (Lessepsche Migration). Sein Aussehen ist geprägt von einem Hasenkopf-ähnlichen Kopf, einem schlanken, torpedoartigen Körper und einer silbrigen Färbung mit dunklen Streifen. Er kann bis zu 110 cm lang und etwa 7 kg schwer werden. Die Galle enthält das hochgiftige Tetrodotoxin, das für Menschen tödlich sein kann. Daher ist der Verzehr extrem gefährlich. Ökologisch bedroht er die heimische Fischfauna im Mittelmeer durch seine invasive Ausbreitung. Er ist somit ein Paradebeispiel für die Folgen menschlicher Eingriffe in natürliche Ökosysteme, wie die Verbindung von Meeresgebieten durch den Suezkanal.
Am nächsten Tag ging es Anker auf und wir segelten ein Stück weiter auf unsere beliebte Insel Kalymnos. Wir machten in der schönen Bucht Palionisos an einer Boje der Taverne Ilias fest und genossen erst mal ein erfrischendes Bad im kristallklarem Wasser. Nach einem entspannten Nachmittag fuhren wir am Abend mit dem Beiboot an Land und erfreuten uns über ein leckeres Abendessen in der Taverne, etwas erhöht auf der Terrasse sitzend mit Blick auf die Bucht und die vielen Boote an den Bojen. 😋
Am Steg der Taverne angekommen, sahen wir schon aus der Ferne einen jungen Angler, der zusammen mit seiner Freundin sein Angelglück versuchte. Ob er wohl erfolgreicher ist als ich? Na, so schwer ist das wohl nicht. 😉 Er kam jedenfalls nach dem Anlegen auf uns zu und fragte mich, ob er sich unser Dingi ausleihen dürfte, da es etwas weiter außen sicher auch mehr und größere Fische gäbe. Ich überlegte kurz und stimmte dann, zum Erstaunen meiner Mitsegler, zu und gab dem jungen Mann aus Deutschland eine kurze Einweisung und bemerkte, dass nicht mehr viel Benzin im Tank war. Paddel waren jedoch an Bord und das Wetter sollte schön und ruhig bleiben. Also los ging’s! 🛶
Wir hatten die Beiden von der Terrasse aus immer im Blick. Als wir mit dem Abendessen fertig waren und es schon langsam dunkel wurde, sahen wir, dass sie mit Hilfe der Paddel wieder auf dem Weg zurück zum Steg waren. Nach dem Anlegen kamen sie zu uns hoch und präsentierten ihren Fang. Immerhin drei kleinere Doraden, von denen sie uns eine als Dankeschön abgeben wollten. Darauf haben wir natürlich verzichtet und so ließen sich die beiden ihre Fische in der Taverne zubereiten und genossen einen herrlichen Abend. 😊
Auf der Terrasse der Taverne haben wir auch noch ein slowenisches Paar wiedergesehen, welche mit ihrem Motorboot in Griechenland zu Besuch waren. Einst als professionelle Ballett-Tänzer*innen auf der ganzen Welt unterwegs gewesen, genießen sie jetzt ihren Ruhestand auf dem Wasser. Sie erzählten uns unter anderem von einem Brauch, bei dem am 40. Todestag einer Person auch Dynamit-Stangen zum Einsatz kommen würden. Und genau heute vor 40 Tagen ist die Tochter eines Bewohners der Bucht mit Anfang 40 an einer Krebserkrankung gestorben. Somit waren wir zumindest vorbereitet, was da eventuell heute Nacht auf uns zukommen könnte. 🙈
Ein ungewöhnlicher und spezifischer Brauch, bei dem Dynamit verwendet wird, ist in einigen orthodoxen Gemeinschaften der griechischen Region bekannt. Dabei handelt es sich um eine lokale Tradition, die vor allem in ländlichen Gebieten praktiziert wird. Es gibt Berichte, dass am 40. Todestag eines Verstorbenen in bestimmten Regionen Dynamit oder andere explosive Geräusche verwendet werden, um die Seele zu ehren und böse Geister fernzuhalten. Im orthodoxen Christentum gilt der 40. Tag nach dem Tod als besonders wichtig. Es wird geglaubt, dass die Seele bis zu diesem Zeitpunkt durch verschiedene Stadien reist, bevor sie endgültig vor Gott tritt. Die lauten Knalle sollen die Aufmerksamkeit auf die Seele lenken und symbolisch den Übergang in die nächste Welt begleiten.
Dieser Brauch wird oft als gefährlich angesehen, da Dynamit und andere Sprengmittel erhebliche Sicherheitsrisiken bergen. Die Orthodoxe Kirche unterstützt solche Praktiken offiziell nicht, da sie eher kultureller als religiöser Natur sind. Der Brauch ist letztendlich eher selten und hat mehr mit lokaler Kultur als mit dem orthodoxen Glauben zu tun.
So fuhren Nici und ich mit eher gemischten Gefühlen wieder zurück zu unserem Blonden, während Sigrid und Wolfgang nochmal raus auf den Klamotten sprangen und zurück zum Boot schwammen. Wir genossen zunächst den lauen Sommerabend bei einem Glas Wein und einem herrlichen Blick auf die Bucht. Etwas später lauschten wir dann der griechischen Live-Musik von der Strandbar, wo sich scheinbar die Trauer-Gesellschaft versammelte. Noch etwas später kam dann ein tolles Feuerwerk dazu und wir saßen quasi in der ersten Reihe. Sollte es das gewesen sein? Natürlich nicht! Nach dem Abschluss des Feuerwerks gab es ungefähr sieben bis acht Detonationen von Dynamit-Stangen. Diese erzeugten eine extrem intensive sensorische und physische Erfahrung bei uns, die sowohl körperlich als auch emotional überwältigend war. Gut, dass wir zumindest vorgewarnt waren! 🙈
Am nächsten Morgen verließen wir die Bucht und segelten ein Stück weiter Richtung Süden in den Stadthafen von Kalymnos-Stadt. Hier machten wir, wie bereits mehrmals zuvor, mit unserem Anker und zwei Achterleinen mit dem Heck an der Stadtmole fest. Wir besuchten das Schwammtauchermuseum und schlenderten durch die Gassen, bevor wir uns einen leckeren Freddo Cappuccino gönnten. Nach einem leckeren Abendessen spielten wir noch eine Runde an Deck und ließen den Abend entspannt ausklingen.
Da wir am nächsten Tag ohnehin erst ab 15:00 Uhr in die Kos-Marina einlaufen durften, hatten wir keinen Stress. So legten wir erst am späten Vormittag ab und konnten bei tollem Wind nochmal richtig gut auf der Nordseite von Kos Segeln. Unmittelbar vor der Marina gingen wir nochmal kurz vor Anker, um das Boot für die Einfahrt vorzubereiten. So mussten wieder alle Fender ausgebracht und die Festmacherleinen vorbereitet werden. Zwischenzeitlich wollte Wolfgang nochmal baden gehen und sprang in die Fluten. Durch den mittlerweile starken Wind und der damit verbundenen starken Oberflächenströmung hatte er alle Mühe, wieder zum Boot zurück zu schwimmen. Sicher wieder zurück an Bord gingen wir Anker auf und fuhren in die Kos-Marina ein. 👍
Sigrid und Wolfgang gefiel es so gut bei uns auf dem Boot, dass sie kurzerhand entschieden, die folgende Nacht nochmal an Bord zu verbringen und den Abend mit uns zu genießen. 😍 Schnell noch das Hotel informiert, in welchem die beiden im Anschluss eine Woche Urlaub auf Kos verbracht haben und dann ging es schon los in die Altstadt von Kos. Wir haben nochmal lecker zu Abend gegessen und gemeinsam das Endspiel der Europameisterschaft verfolgt.
Am nächsten Morgen war es dann soweit. Sigrid und Wolfgang verließen uns mit vielen Erlebnissen und Eindrücken und freuten sich auf noch weitere schöne Tage auf Kos. Vielen Dank für die gemeinsame Zeit und schön, dass ihr uns ein Stück begleitet habt! 😊